Was ist POCT?


Seit Jahren steigt die Zahl der Analysen, die direkt am Patientenbett oder in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Patienten durchgeführt werden. Dieses sog. Point-of-Care-Testing (POCT) wurde ursprünglich konzipiert, um in der Klinik so zeitnah wie möglich aus Laborwerten direkte therapeutische Konsequenzen bei lebensbedrohlichen Notfallsituationen ziehen zu können. Schnell wurden aber auch die Vorteile im ambulanten Bereich für die ärztliche Beratung von Patienten mit chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus erkannt und die Möglichkeiten der Patientenselbstkontrolle im "Home care"-Bereich genutzt.

Die breite Anwendung des POCT im stationären und ambulanten Bereich kann sowohl zu klinischen, als auch organisatorischen und ökonomischen Vorteilen führen. Diese Vorteile sind aber nur dann zu nutzen, wenn in einer durchgreifenden Organisation das bisher vielfach unkoordinierte POCT im Krankenhaus neu strukturiert wird. Durch Steuerung von POCT, Auslastung des lokalen Kliniklaboratoriums, aber auch durch sinnvolle Fremdvergabe von Laboranalysen, wird den ökonomischen wie medizinischen Anforderungen Rechnung getragen.

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Als Charakteristika des POCT gelten:


Patientennahe quantitative oder halbquantitative Einzelmessungen, keine Probenvorbereitung durch Einsatz von Vollblut, Urin und andere Materialien, keine Pipettierschritte, gebrauchsfertige Reagenzien und spezielle, einfach zu bedienende Messgeräte.

Die zugrundeliegende Technologie wird dabei als Biosensorik bezeichnet. Die Biosensorik beschreibt Prozesse, bei den spezifische Informationen über die biochemische Zusammensetzung einer Analysenprobe in Echtzeit erhalten werden. Der Sensor ist definiert als ein miniaturisiertes Analysensystem mit einer auf der Oberfläche immobilisierten biologischen Substanz (z. B. ein hochspezifisches Enzym), die eine biospezifische Interaktion mit definierten Analyten eingehen kann. Nachweismethoden sind vor allem enzymatische und elektrochemische Detektionen, aber auch optische Verfahren wie die zeitaufgelöste Fluoreszenzspektroskopie. Das technische Potential und die Anwendungsmöglichkeiten von solchen POCT-Geräten wachsen ständig.

In den Empfehlungen der Arbeitsgruppe "Patientennahe Laboratoriums-diagnostik" der Vereinten Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik zur Einführung und Qualitätssicherung von POC-Testverfahren wurde die POCT-Diagnostik in Abstimmung mit der "Arbeitsgemeinschaft Medizinische Laboratoriumsdiagnostik" im Krankenhausbereich genauer definiert als:

  • Die patientennah durchgeführte Laboruntersuchung

  • Mit einfach zu bedienenden Messsystemen

  • Im Rahmen der unmittelbaren Krankenversorgung

  • Therapierelevanz bei vital bedrohten Patienten

  • In Räumlichkeiten der bettenführenden Abteilungen, Ambulanzen oder besonderen Funktionsbereichen (z.B. Notaufnahme, Operationssaal, Kreißsaal, Endoskopie-Einheit, interventionelle Radiologie
  • Durch Personal, das in der Regel keine eingehende medizinisch-technische Ausbildung und keine Erfahrung auf dem Gebiet der Laboratoriumsmedizin hat.

 


Leitung/Kontakt: Prof. Dr. Peter Luppa

AG POCT